Dead End

Die Luft ist raus. Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Das Interesse an Videospielen ist kurz vor Null angekommen. Warum eigentlich? Eine Analyse…

Grundsätzlich ist es so, dass ich immer noch gerne spiele. Ich verdamme nicht etwa die Videospiele, aber ich spiele gezielter und weniger. Was mich früher interessiert hat, lässt mich heute kalt. Aktuelles Beispiel ist Prototype. Die Previews und all die schönen Screenshots bzw. Trailer waren net anzuschauen, weckten eine erste Vorfreude in mir und jetzt ist das Spiel im Handel. Und? Es geht mir am Arsch vorbei. Unter dem Strich ist das Spiel doch auch nur wieder ein Mix aus verschiedenen Genres. Sprich, alles schon 1.000 Mal gesehen. Es langweiligt mich. Ähnlich geht es mir bei Filmen. Hier sei auch ein aktuelles Beispiel genannt: Terminator 4. Was kann der Film eigentlich? Wird in T4 überhaupt Spannung aufgebaut? Erzählt er eine tolle Geschichte? T4 kann gar nichts und bedient sich jediglich aus den Vorgängerteilen und der Matrix Trilogy. Ach ja, der Schluss ist auch scheiße. T5, der garantiert in 1-2 Jahren folgen wird, können die ohne mich abspulen.

Was bei Filmen schon lange klar ist setzt sich so langsam auch bei Spielen durch. Warum zum 10. Mal den gleichen Rotz spielen? Wo bleiben Spiele die was auf dem Kasten haben? Eine geile Story, badmotherfucking Action oder Rollenspiele die mich in eine Welt hineinziehen die mir auch im Reallife noch durch den Kopf geht. Sicherlich lässt sich so einiges mit “Geschmackssache” definieren, aber es kann mir doch keiner erzählen, dass ein Gamer aus den 80igern nicht irgendwie, irgendwo, irgendwann gelangweilt ist. Alles wiederholt sich nur in schöner. Und ich rede nicht von irgendwelchen Bedienungskonzepten alá Wii. Nein ich rede rein von den Spielen.

Manchmal gönne ich es den Publishern, wenn sie ihre Ware nicht an den Mann bekommen. Tomb Raider: Underworld hat sich nicht so gut verkauft. Gut so! Das ist doch der gleiche Scheiss, wie uns schon 1996 unter die Nase gerieben wurde. Den Entwicklern gehen entweder die Ideen aus oder sie haben keinen Bock auf eine anständige Story. Ich kann mich nur wiederholen: Eine geile Story ist mehr als die halbe Miete. Lieber versinke ich im Story Sumpf, als im jenen der schon vom Kopf ab stinkt und behauptet das beste Feature des Spiels seien die tollen Achievements. OH BOY!
Wenn ich so zurück denke an Resident Evil 4, dass ich vor ein paar Wochen vor dem Kauf des 5. Teils mit vergnügen durchgespielt hatte, und dann Teil 5 mit Vollgas mit einem Kumpel durchgezockt habe, könnt ich nachträglich Capcom verprügeln. Wer kann mir erklären, wo genau dieser 5. Teil den Namen Resident Evil verdient hat? Wieviel ist von Teil 1 übrig geblieben? Wenn ich mir ein Resident Evil zulege, dann will ich Survival Horror zocken und nicht einen -3rd Person ÜBER die Schulter guck- Action Shooter. Die können mich das nächste Mal. Teil 6 muss zurück zu den Wurzeln oder die sehen keinen einzigen Cent mehr von mir.

Im Internet hat sich auch nicht viel getan in den letzten Jahren. Blogs, News- und Trailerseiten sind wie vor 5 Jahren gleich vertreten. Angefangen bei den Newsseiten, die mir immer unsympathischer werden. Vollgestopft mit Werbung das ich beim Aufruf schon Kotzen könnte vor lauter “BLINK-BLINK”, weiß ich überhaupt nicht wo ich mich drauf konzentrieren soll. Kaum einen Artikel ausgewählt, kommt auch schon so eine nette Flash-Werbeunterbrechung, die sich über den ganzen Webbrowser legt. Das nervt einfach und ich werde das Gefühl nicht los, dass alles nur noch Hip-Hop ist. Glänzen und blinken muss es, egal wie gut oder schlecht der Hintergrund ist. Ach, vielleicht…, ja wirklich vielleicht würde ich sogar Geld im Monat bezahlen, wenn ich eine Spielenewsseite ohne den ganzen Rotz finden würde. Übersichtlich, ohne Werbung und eine gute Handvoll engangierte Leute im Hintergrund. Aber das ist Zukunftsmusik und diese Platte will ich hier noch nicht auflegen. Es gibt zum Glück noch Alternativen (gamefront, joystiq…) da draussen die mich gut informieren ohne das ich mich beim bloßen Aufruf der Seite gequält fühle.

Anders als bei den Newsseiten gibt es fast ausschließlich nur eine Anlaufstelle, wenn es um Trailer geht: Gametrailers. Da gehts mir noch gut: Aufrufen, auswählen, gucken, Maul halten und schließen. Wenn dann in einem Video tatsächlich für 10 Sek. eine Werbeeinblendung erscheint, empfinde ich das um ein vielfaches angenehmer als diese Drecksflashteilchen der Newswebseiten. Gut, was könnte sich an Gametrailers verschlechtert bzw. verbessert haben in den letzten Jahren? Ich denke so wie es z.Zt. ist, passt das doch ganz gut. Ein Video bleibt nun mal ein Video. Hmm, wirklich? Was ist eigentl. mit Rawiioli? Die drehen immer noch Videos von sich selbst und zocken gemeinsam vor der Kamera. Das ist wirklich eine schöne Sache, aber lange nicht mehr so gut wie zu ihren Anfangszeiten. Ganz ehrlich: Ich schau mir kein Video mehr von denen an. Mich langweilt das einfach nur. Immer wieder dieses “AWESOME” – ach komm, spiel einfach das Spiel und sag ein paar Sätze dazu, geht mir da zu oft durch den Kopf. Das unnötige Gelaber kann ich dabei nicht mehr hören.

Kommen wir zu den Blogs, meines eingeschlossen: Da hat jemand Pause gedrückt und ein paar davon haben sich nicht erholt. Die wo sich davon nicht erholt haben, brauche ich nicht aufzählen, da diese schon zu oft genannt wurden. Für alle Anderen gilt: Same procedure as every year. Die Bloggerszene hat sich kein bisschen verändert. Das Medium Blog stagniert. Der eine wird jetzt denken, “Ja ist doch gut so”, der Nächste, “Was für ein dummes Geschwätz” und der Letzte, “Boah, was soll sich da auch groß ändern?”. Mir gehts hier auch “nur” um die Gameblogs und nicht um andere. Ich sehe Tag für Tag neue Artikel in diversen Blogs, die über diverse Spiele ihre Eindrücke kundtun. Das ist sicherlich eine feine Sache und ich bin auch froh das es so etwas gibt, aber mein Interesse an den ganzen Blogs schwindet immer mehr. Richtig nervt mich, dass ich ein Dutzend Mal den gleichen Kram lese. “Uuhhh, Mario is back in his new adventure”. “Yeah, Mario ist wieder da. I freu mich auf den Titel” . “Mario beginnt ein neues Abenteuer und ich bin dabei” . Ist ja schön und gut, dass Mario wieder da ist, aber mal ganz ehrlich: Wen interessiert das eigentlich, ob 5 von 10 Bloggern das gut finden, sich den Teil zulegen oder ihr Wohnzimmer mit Mushrooms verzieren? Wobei letzteres doch wieder was besonderes wäre ;) .
Fakt ist, auch hier habe ich sehr ausgedünnt. Von 20 Blogs sind vielleicht 8 übrig geblieben, die ich immer noch gerne lese, wenn auch nicht mehr so intensiv. Ich selbst schreibe auch nicht mehr so viel. Ich bin eh nicht der große Schreiber, was auch den Namensursrpung dieses Blogs prägt, aber warum soll ich Stunden (übertrieben gesprochen) in einen Artikel stecken, den ein paar Leute lesen werden und noch ein geringerer Teil diesen kommentiert, also das wichtige Feedback gibt, wenn ich in der gleichen Zeit mein Hobby ausüben kann? Die Faszination BLOG hat in meinen Augen ausgesorgt. Blogs sind alltäglich geworden und stellen nichts besonderes mehr da. Unerfahrene Leute, wie auch ich, schreiben über irgendwelchen Kram. In diesem Fall über Videospiele. Aber interessiert das auch ein Schwanz?

Irgendwie erscheint mir die ganze Videospiellandschaft immer mehr wie diverse Radiosender. Es wird immer das Gleiche gespielt, Tag für Tag, obwohl die Auswahl riesig ist. Was ist die Lösung? Radio aus, gezielt das anhören was einem wirklich gefällt und nicht den Einheitsbrei. Alle spielen den letzten Überflieger Titel, weil alle das Spiel so toll finden und davon angefixt sind – na und? Wenn das Spiel keine Seele hat, dann zukünftig ohne mich und wenn es noch so toll zu sein scheint.
Desweiteren habe ich diese Killerspiel Debatte sowas von satt. Von mir aus verbietet die Teile, aber geht mir nicht jede Woche mit dieser Dreckdiskussion auf den Sack. Jugendschutz? Klar! Bevormundung? Ihr habt sie nicht mehr alle. Aber macht ruhig, dann geb ich halt für die wenigen interessanten Spiele kein Geld aus, aber besitze sie trotzdem. Einmal Arschloch sein, bevor man zu einem gemacht wird.

Neue Ideen braucht das Land! Ist z.B. ein GamersGlobal der Höhepunkt des Ideenreichtums? Leser die zu Schreiber werden? Der Ansatz und die Idee ist sicherlich nicht verkehrt, aber wenn ich jetzt Wochen nach der Beta Phase auf GamersGlobal hinüberblicke, frage ich mich was da noch besonderes übrig geblieben ist!? Etwas provakativ ausgedrückt: Eine stinknormale Newsseite mit Reviews. Wie viele andere Websites da draußen auch.
Wo bleibt der wirkliche Turbo? Facebook hat es vorgemacht, was im Web in Hinblick auf ein soziales Netzwerk möglich ist. Last.fm verbindet Musikliebhaber. Doch wo bleibt das ÜBER Portal für Gamer? Ein Netzwerk das zu jeder Zeit abrufbar ist und voller Informationen steckt. Ein offenes Netzwerk das alle Hardware vereint. Ein Netzwerk das zu jeder Zeit Auskunft gibt, welcher Spieler, unabhängig von der Plattform, welchen Titel gerade zockt. Gespickt mit allen möglichen Zusatzinformationen, wie z.B. in welchem Level er sich gerade befindet. Kombiniert wird das Ganze mit einer Art Twitter, in dem der Spieler Kommentare abliefern kann. Vorstellbare Kommentare gingen in die Richtung wie bockschwer der letzte Endgegner war oder warum man schon seit 3 Stunden einen bestimmten Schatz sucht und diesen nicht findet.
Videospiele hängen dem sozialen Netzwerk Triumph Zug des aktuellen (2.0?) Internets etwas hinterher. Es wird immer noch teilweise dezentral in heterogenen Systemen gespielt und meist manuell im Internet die Gedanken dazu abgeladen. Das ist etwas zur Zeit, wo ich einfach sagen muss: Das “drumherum” der Videospiele ist nicht zeitgemäß.

Gibt es überhaupt da draußen im Videospielebereich einen Minimalismus? Eine Webseite zum Beispiel, welche einfach nur auf einfache Art und Weise die neuesten Screenshots und Trailer präsentiert. Vielleicht in Blogform, vielleicht aber auch auf einer ganz normalen Website. Ganz ohne Gelaber. Ohne lange Texte. Einfach so wie es ist präsentiert. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zum Erfolg, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es all den Casual Gamern da draußen so um detaillierte News geht. Möglicherweise gibt es auch schon so eine Website. Ich kenne sie nicht.
Ein anderes Konzept, welches ich im deutschsprachigen Raum vermisse, sind Hintergrundinfos und Interviews. “Besuch bei Publisher XYZ, Interview mit Entwickler ABC”. Eine Website die sich nur mit solchen Dingen beschäftigt.
Und wenn ich gerade schon “on-fire” bin, wo bitte ist der Comedy Anteil bei Videospielen? Es gibt ein paar lustige Vertreter da draußen, aber gibt es wirklich Videospiel Comedy? Ist so etwas überhaupt umsetzbar?

Ich bin auf alle Fälle sehr gespannt wie das die nächsten Jahre weitergeht, aber ganz ehrlich, ich bin zur Zeit angepisst. Meinen 360iger Controller habe ich schon ne ganze Weile nicht mehr angefasst. Könnte auch die oft diskutierte “Phase” sein, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mein Interesse einen Schwung erhält, wenn mein Hobby die nächsten Jahre weiterhin so gegen die Wand gefahren wird. Den ganzen wiederkehrenden Rotz da draußen könnt ihr euch auch ohne mich reinziehen. Genau so wie ihr auf mich als Leser verzichten könnt. Irgendwie, irgendwo, irgendwann wird es jemanden bestimmt ähnlich gehen wie mir und ich hoffe derjenige findet eine Lösung für dieses Elend.

Quelle: flickr.com/photos/a_mason