EA-Play, ein von Electronic Arts gesponsertes Blog, schloss zum 31. Juli seine Pforten. Auf der einen Seite zum Leid der Leser und auf der anderen Seite zum Leid der Blogger, welche die Leserschaft nicht nur mit “only-EA” Artikeln versorgt haben und offensichtlich mit großem Enthusiasmus die Sache angegangen sind. Die letzten Worte zu EA-Play von Julia, Christian und Marcus, gibt es jetzt exklusiv im gamequickie Interview:
gamequickie: War EA-Play euer erster Blogger Einsatz oder entstand diese Kooperation aufgrund eurer “Erfahrung” in der Bloggerszene? Wenn ihr schon länger bloggt, wo seid ihr überall aktiv?
Julia: Erfahrung sei dank, vorneweg Spreeblick. Ich startete mit den popnutten – später kamen eine Menge weiterer Blogs hinzu, zu Hochzeiten galt es sieben simultan zu füttern. Momentan bin ich unter blog.yo.lk zu finden: das ist das Corporate Blog meines kleinen Startups.
Christian: EA-Play war die letzte von insgesamt 4 Baustellen, die ich mir persönlich aufgemacht habe. Angefangen habe ich mit meinem eigenen Blog endoflevelboss.de, wo ich seit 2006 auch fast ausschließlich über Spiele und all das viele bunte Drumherum schreibe, das mit unser aller Lieblingshobby so zusammenhängt und wo ich nach wie vor die meiste Energie hineinstecke. Kurze Zeit später bin ich dann zu GameParents.de gestoßen, einer Seite für Jugendmedienschutz und Tipps für Eltern, wie sie am besten mit dem Medium umgehen könnten. Angefangen hab ich da vor allem mit Artikeln über alles, was irgendwie mit Jugendschutz zu tun hatte, mittlerweile kümmere ich mich vor allem um den optischen Auftritt und die Gestaltung von Flyern etc. Wir freuen uns übrigens über jeden, der in irgendeiner Form Lust hat, sich an unserer Seite oder unserer Arbeit beteiligen möchte. Nachdem wir das Projekt in der Zwischenzeit zu einem gemeinnützigen Verein ausgebaut haben, mußte dann noch ein neues Spielfeld her. Also hab ich mich gerne noch dem erweiterten Kreis um die Spieler 1-4 angeschlossen und bin bei Polyneux (www.polyneux.de) eingestiegen. Als Julia im März (glaube ich) beschlossen hat, EA-Play zu verlassen, wurde ich von Spreeblick gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an ihre Stelle zu treten. Was gar nicht so einfach war, weil sie sehr große Fußstapfen hinterlassen und großartige Arbeit geleistet hat. Sonderlich lange war ich leider nicht dabei und es ist schade, dass es das Experiment Corporate Blog nun ein Ende gefunden hat. Andererseits bin ich aber ehrlich gesagt auch ein wenig froh, dass ich jetzt wieder ein wenig mehr Freiraum für meine anderen Projekte habe. Da ich beruflich normalerweise auch sehr stark eingespannt bin, wurde mir das am Ende doch alles ein wenig zuviel. So ein Blog kann ja doch auch recht viel Arbeit sein. Von vieren ganz zu schweigen. Deshalb versuche ich momentan, alles mal wieder ein bißchen ruhiger angehen zu lassen.
Marcus: Ich kam über ein anderes Engagement bei Spreeblick zu dem Job bei EA-Play. Wir saßen rum, spielten Wii, ich wurde gefragt und sagte zu. Spielen, darüber schreiben, und damit auch noch Geld verdienen…
g: EA-Play trug ja nicht umsonst den Namen “EA” im Blogtitel. Hattet ihr irgendwelche Vorgaben die ihr erfüllen musstet (z.B. Artikelanzahl, Gewinnspiele, EA relevante Artikel)? Gab es außerdem Interessenskonflikte, so dass ihr euch bei bestimmten Themen einfach zurück gehalten habt?
J: Eine Frequenz galt es zu erfüllen, natürlich. Davon ab ging EA sehr mutig mit uns um: Wir hatten fast jede Freiheit, Artikel hatte jeder selbst zu verantworten. Dass auf dem eigenen privaten Blog eine andere Tonalität gepflegt wird, ist doch selbstverständlich.
C: Hmm, wie tief darf ich jetzt aus dem Nähkästchen plaudern? ;-) Wie Julia schon gesagt hat, gab es eine gewisse Quote zu erfüllen, um den “Artikel”-Fluss auch rege am laufen zu halten. Das durften in der Regel ziemlich kurze Sachen sein, wie Linktipps oder die Empfehlung von Minispielen, Browsergames oder sonstigem Kram. Was das angeht, waren wir völlig frei in der Gestaltung. Alles war erlaubt. Auf längere Artikel haben wir uns in der Regel eine Woche im Voraus festgelegt, um uns untereinander abzustimmen und Doppelungen zu vermeiden. Da hatte dann EA auch ein wenig mitzureden, so dass auch schonmal ein Thema “abgeschossen” werden konnte. In der Regel aber nur, wenn es allzu Spielefremd war. Hoch anrechnen muss ich EA übrigens, dass wir in Bezug auf die Berichterstattung zu Spielen und News fremder Publisher überhaupt keine Einschränkungen auferlegt bekommen haben. Das hat man wahrscheinlich gerade bei Erscheinen von GTA IV ziemlich deutlich gemerkt. Überhaupt hielt sich die Berichterstattung zu EA-eigenen Games ja sehr in Grenzen. Ich glaube kaum, dass sowas in der Form bei irgendeinem anderen Publisher auch nur annähernd möglich gewesen wäre.
M: Naja, ganz so war es nicht. Zumindest nicht immer. Vor allem zu Beginn gab es einige Reibereien, weil erstmal unterschiedliche Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen aufeinandertrafen. Und es gab schon ein paar Artikel, die zwar geschrieben aber nicht veröffentlicht wurden.
Was mir in dem Zusammenhang aber wichtig ist: Es gab zu keinem Zeitpunkt irgendeine Art Endabnahme oder so. Jeder hat so und das geschrieben, wie und was er verantworten wollte.
g: Wie funktionierte EA-Play von der technischen Sicht? Wurde EA-Play mit Hilfe einer Bloggersoftware (WordPress o.ä.) mit einem angepassten Design erstellt oder wurde das Blog von Grund auf neu “programmiert”? Wer von euch war für die technische Umsetzung und Pflege zuständig oder wurde dies komplett von EA gesteuert?
J: Ein aufgebohrtes WordPress schnurrte im Hintergrund. Die Pflege lief über EA.
C: Ich war überrascht, wie alt die WordPress-Version war, die da lief ;-) Dafür gab’s ein paar nette Plugins, die die Seite sehr schön von anderen Standard-Wordpress-Blogs abgehoben haben (endoflevelboss.de eingeschlossen) und die man so wahrscheinlich nirgends findet. Hier zahlt es sich aus, dass man als Publisher ein wenig mehr Geld zur Verfügung hat und die Website-Pflege komplett in kompetente Hände legen kann. Otto-Normal-Blogger kratzt sich ja auch schonmal bei kleineren technischen Problemen gerne mal am Kopf, wenn irgendwas nicht ganz rund läuft. Da ist es schön, wenn man sich um sowas überhaupt nicht mehr kümmern muss.
M: Uhm… man merkt, dass Christian nur den Endspurt miterlebt hat. ;) Bei aller Liebe zu den Jungs hinter den Kulissen war es doch manchmal etwas mühsam, den langen Dienstweg einhalten zu müssen. Wir hatten lauter Autoren mit eigenem Blog und meist auch Webdesign/Programmier-Erfahrung, sodass es einer reinen Technik-Abteilung eigentlich nicht bedurft hätte. Wobei man hinterher natürlich immer schlauer ist, und von uns wohl auch niemand die Verantworrtung hätte übernehmen wollen: “Oh, alles weg. Hm.”
Die Seite lief, wenn ich richtig informiert bin, übrigens über EA-eigene Server. In-house.
g: EA-Play bot die Möglichkeit sich aktiv am Blog zu beteiligen. Würdet ihr dies als das herausragende Merkmal sehen, oder doch eher die Playcasts?
C: Generell sehe ich die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen aufgrund der Kommentar-Funktion gegeben und auch als das herausstechendste Merkmal von Blogs an. Nicht umsonst werden auch etablierte Spieleseiten mittlerweile immer stärker in Richtung solcher Community-Features umgestrickt, siehe etwa Gamestar.de. Im Grunde gibt es doch kaum noch Unterschiede zwischen Blogs und althergebrachten Newsportalen. Hinzu kam bei EA-Play die Möglichkeit, auch selbst Artikel zu verfassen und hochzuladen. Das ist im Blogalltag tatsächlich relativ einzigartig, wurde aber von den Lesern meiner Meinung nach nur mangelhaft angenommen. Da scheinen Angebote wie eben Gamestar.de, bei denen jeder Leser sich einen eigenen, integrierten Blog anlegen kann, deutlich besser zu laufen. Keine Ahnung, warum das so ist.
M: Ich empfand als herausragendes Merkmal die unterschiedliche Herangehensweise der einzelnen Autoren, inklusive Playcast-Team. Wir waren nicht fünf oder sechs Leute, die alle identische Meinungen und Stile hatten, sodass man sie nur anhand der Namen auseinanderhalten konnte. Vielleicht war das rückblickend ein Mangel, keine Ahnung.
g: Apropos Playcasts: Was macht eigentlich Patricia jetzt?
C: Da müßtest Du Patricia fragen ;-)
g: Der Stil von EA-Play war stets kurze und prägnante Artikel. Vermisst ihr euer Einbringen oder seid ihr froh darüber, wieder etwas mehr Luft zu haben?
J: Schwarz weiß? War gestern. Ich vermisse EA Play durchaus ab und an, vor allem die Recherche nach ausgefallenen Game-Art-Geschichten und Ludologisches hat enormen Spaß gebracht. Mein Ausscheiden vor dem offiziellen Ende hatte andere Gründe: ich wollte mich voll und ganz auf die Selbstständigkeit konzentrieren.
C: Einerseits bin ich traurig, auch weil ich bei EA Play Sachen machen konnte, die ich anderswo so nicht veröffentlichen konnte (weil ich mir bei endoflevelboss.de etwa selbst Mindestlängen für Artikel auferlegt habe). Andererseits bin ich, wie bereits gesagt, auch ein bißchen froh, dass die zusätzliche Arbeit, die ich mit der Seite hatte, nun entfällt.
M: Vermissen ist das falsche Wort. Es war relativ klar, dass die Seite nicht allzu erfolgreich lief, vor allem im Hinblick auf Trackbacks o.ä., also Aufnahme in die “Gaming Community”. Ich glaube, wir hätten auch Nacktaufnahmen von Jade Raymond bringen können, und keiner hätte uns verlinkt (nein, ich habe keine). Je länger es lief, desto frustrierender wurde es, und entsprechend gibt es da nicht viel zu vermissen. Es ist eher ein nostalgisches Rückblicken.
Die Arbeit vermisse ich dagegen sehr, vor allem das Schreiben, zu dem ich im Augenblick nicht komme, weil ich nicht dazu kommen muss. Die Zeit, die ich in EA-Play gesteckt habe, verbringe ich momentan mit meinem Sohn und Mittagsschlaf. Viel Mittagsschlaf.
g: Jetzt im Nachhinein: Habt ihr das Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben, also Artikel für EA-Play zu verfassen und würdet ihr das Gleiche wieder tun?
J: Ay und aber sicher ;-)
C: Nur, wenn ich sonst nichts mehr zu tun hätte. Dann aber gerne wieder.
M: Ich würde jederzeit wieder für EA arbeiten, mir wäre “Erfolglosigkeit” egal, aber ich würde nicht noch einmal EA-Play machen. Auch nicht Ubi-Play oder Sony-Play.
g: Hand aufs Herz: Was war der Grund für die Schließung von EA Play? Gab es Differenzen unter euch, hat sich Electronic Arts dann doch etwas anderes darunter vorgestellt, stimmten die Besucherzahlen nicht oder sind Blogs jetzt wieder out?
C: Blogs sind toll, ich liebe Blogs. Wenn ich das jetzt mal so sagen darf: Ich habe nicht die geringste Ahnung, was genau jetzt eigentlich der wirklich ausschlaggebende Grund war, den Laden dicht zu machen. Das müßte wiederum EA beantworten. Wer sich aber mal die Mühe macht zu schauen, wie denn so die generelle Leser-Beteiligung und das Feedback in den Kommentaren war, könnte sich vielleicht eventuell was zusammenreimen. Nix genaues weiß ich aber nicht.
M: Grund waren jedenfalls nicht irgendwelche Differenzen zwischen uns. Die hätten zu allem möglichen geführt, aber sicher nicht zur Schließung des Blogs.
g: Wie geht es jetzt weiter mit EA Play? Geht die Seite demnächst vom Netz oder plant EA einen Relaunch unter einem anderen Konzept?
C: Vermutungen, Vermutungen, Vermutungen. Eine wirklich passende Antwort darauf kann nur EA geben… aber: welchen Sinn sollte es machen, eine Seite, die keinerlei neuen Content mehr erhält, noch sonderlich lange online zu halten? Würde mal behaupten, dass EA Play es in Kürze dem seligen Working Title gleichtut.
M: Immerhin ist geplant, einen Großteil der Artikel auf Spreeblick weiterzuhosten. Vielleicht bekommen einige Beträge dann ja nachträglich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
g: Viel wichtiger: Wie geht es mit euch weiter? Welche Projekte sind am Start und mit was befasst ihr euch?
J: mite.yo.lk einseinself!!!! Unser kleines Web-Startup, to-be-grown.
C: Games, Games und nochmal Games. Endoflevelboss läuft weiter wie gehabt, von Polyneux wird man mit Sicherheit noch sehr viel Großes hören und für GameParents steht bald die erste Eltern-LAN an, bei der wir versuchen wollen, in Zusammenarbeit mit mehreren Schulen, Eltern das Hobby Computerspiele zu erklären, näherzubringen und sie auch mal selbst Hand anlegen zu lassen, damit sie eine Ahnung davon bekommen, wie dieses Medium funtkioniert. Und damit sie in der Folge auch kompetenter im Umgang mit Spielen sind und ihre Kinder jugendschutztechnisch besser zu betreuen und zu begleiten wissen.
M: Ich werde die Tage zum zweiten Mal Vater, das langt mir fürs erste. Nebenher bastle ich an diversen Interface- und Spiel-Konzepten und sammle Themen für zukünftige Artikel.
g: Vorletzte Frage: Was war euer erstes Spiel das ihr geliebt habt und welches liebt ihr zur Zeit?
C: Puh, das erste zu benennen ist relativ schwierig. Ist ja schon so lange her. Im Zweifelsfall würde ich aber immer sagen: Turrican. Na klar, was auch sonst? Einfach ein moderner Klassiker und der alleinige Grund, weshalb ich mir eine Wii anschaffen würde ;-) Aktuell liebe ich Edna bricht aus, weil es einfach ein schön gemachtes Adventure mit jeder Menge Liebe zum Detail ist.
M: Mein erstes Spiel, das ich bis zum Umfallen gespielt habe, war eine Arcade-Konsole in einem Pornokino in der Rüsselsheimer Innenstadt. Da ich mir keine Namen merken kann… man musste mit einem Farbroller Kästchen umranden. Oder so. Ich war 9, glaube ich, und ich habe unendlich viele 10-Pfennig-Stücke investiert. Auch in Space Invaders, aber der Farbroller war damals besser.
Momentan spiele ich zum zweiten Mal Mass Effect und warte auf Too Human, womit ich mir die Zeit bis Fallout 3 vertreiben werde.
g: Nach allem was ihr durchgemacht habt, wie ist eure Meinung zu Electronic Arts? Cooler Laden oder typischer Konzern?
C: Einerseits bin ich ja immer gerne mit dabei, wenn es darum geht, den Mainstream-Markt, als dessen Speerspitze EA ja oftmals gesehen wird, zu kritisieren. Andererseits bewundere ich sie aber für das, was sie sich mit EA Play getraut haben. Ich denke, allein dieses Experiment hat bereits gezeigt, dass hinter dem großen Namen entgegen aller vermeintlicher Erwartungen Leute stehen, die durchaus einiges an Herzblut in ihren Job stecken.
M: Ich habe mir durch die Arbeit an EA-Play keinerlei Meinung zum Gesamtgebilde Electronic Arts bilden können. Dafür waren wir viel zu eigenständig.
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Gamequickie sagt vielen Dank für das Interview und wünscht Julia, Christian und Marcus alles Gute für die Zukunft und viel Erfolg bei allen bisherigen und anstehenden Projekten.
Und natürlich eine extra Portion Glück an Marcus für das anstehende zweite Kind.
Bildquelle: ea-play.de










